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„Stress – Das Raubtier besiegen“

Heute ist er in aller Munde – der Stress. Das Zusammenspiel äußerer Reize und die Antwort unseres Körpers hierauf begleiten uns schon seit der Frühzeit der Menschheit und haben ehemals unser Überleben gesichert. Was hat sich in jüngster Zeit geändert, dass heute so viele Betroffene krank werden oder Stress gar lebensbedrohlich sein kann? Und wie können wir dem entgegenwirken?

Diese Überschrift und Einleitung stammt von einem Artikel aus der 35. Ausgabe der WingTsun-Welt. Da wir heutzutage sehr häufig Stress haben, die meisten berufstätigen Menschen empfinden es zumindest so, ist es umso wichtiger sich gezielt zu entspannen und sich nicht vom Stress einfangen und überfahren zu lassen. Wenn ich nur an die unzähligen Autofahrer denke, die ständig wegen irgendeinem unfähigen Fahrer vor ihnen anfangen zu fluchen und laut im Auto brüllen, um ihren Frust und die ansteigende Aggressivität rauszulassen, ich bin übrigens ab und zu genauso wenn ich mal wieder über so einen Idioten ärgere, beginne ich mich zu fragen, ob es wirklich so sinnvoll ist, sich wegen so einer Kleinigkeit komplett aus der Ruhe werfen zu lassen. Deshalb fand ich den Artikel sehr hilfreich und gebe ihn deshalb hier wieder.

In gefährlichen Situationen überlebensfähig sein
In der Frühzeit der Menschen bestand bei Konfrontationen mit Raubtieren akute Lebensgefahr. In diesen Situationen musste das Überleben durch Optimierung des Körpereinsatzes gesichert werden. Ein umfangreiches körperliches Programm ermöglicht höhere Leistungsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit für Flucht oder Kampf.

Die Reize von früher sind nicht die Stressoren von heute
Heute gehen intensive Reize allerdings seltener von einer physisch bedrohlichen Situation aus, sondern vielmehr von gehäuft auftretender Reizüberflutung und verbalen Auseinandersetzungen. Oft stürmt eine Vielzahl von Aufgaben oder Anforderungen auf uns ein. Wobei allgemein die Auffassung herrscht, man müsse eine Vielzahl von Aufgaben möglichst gleichzeitig erledigen können. Forscher fanden heraus, dass der Körper Stress aushält und er positive Fähigkeiten zur Anpassung entwickelt („Freund“), doch ist man Stress zu lange ausgesetzt wandelt sich das ganze ins Gegenteil und der Stress wird zum Feind.

Wie lässt sich mit den modernen Stressoren umgehen?
Auch heute lässt sich eine Reizsituation noch als Antriebsfeder begreifen, flexibel zu reagieren, sich anzupassen und neue Wege einzuschlagen. Die Reize können Körper und Geist dazu aktivieren, Energie bereitzustellen, um eine Aufgabe zu bewältigen. Da wir die Situationen an sich in den wenigsten Fällen ändern können, muss unser Ziel sein, unsere Reaktion auf die Reize zu modifizieren. Elementar ist dabei die Aufmerksamkeit für die Situation, das Wahrnehmen der Reize. Wir sollten uns klarmachen, dass Stressabbau und ausbalancierte Lebensführung kein Luxus sind, sondern Voraussetzung für hohe Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit.
Der erste Schritt muss daher sein, innezuhalten und sich der eigenen körperlichen Reaktionen bewusst zu werden: Ist meine Haltung verkrampft? Sind meine Bewegungen hektisch? Fühle ich Beklemmung oder Schmerz?

Mache dich frei von festgefahrenen Reaktionsmustern
Im nächsten Schritt heißt es, das automatische „ReAgieren“ zu verhindern und unpassende Reaktionsmuster zu unterbrechen. Entscheidend ist, Kontrolle über das eigene Tun und Selbstständigkeit zu gewinnen. Personen, die das Gefühl haben, ihre Lebensumstände beeinflussen zu können, leiden wesentlich seltener unter Stress – auch wenn sie hohen Belastungen ausgesetzt sind. Um das zu erreichen, gilt: „mache dich frei von deiner eigenen Kraft.“ Die körperliche Anspannung steht in Wechselwirkung mit unseren Emotionen. Es „bestimmt das Innere das Äußere, aber auch das Äußere das Innere“.
Zusätzlich empfiehlt sich ein aktives Loslassen, indem man alle Muskeln des Körpers mental durchgeht und sie nacheinander bewusst entspannt. Ist für eine „große Tour durch den Körper“ keine Zeit, lassen sich zwischendrin auch in kleinen Etappen diejenigen Muskeln lösen, die bei dem Einzelnen gewohnheitsmäßig verspannt sind.

 

„Kraftquellen und Kraftübertragung im WT“

Als ich die Überschrift eines Artikels im Gesamtwerk „Wing Tsun Kuen“ bemerkt hatte, wurde ich neugierig und begann zu lesen. Ich war und bin begeistert davon wieder neue Tipps zum Üben meines Fauststoßes zu haben und gebe deshalb hier einfach mal den Inhalt wieder, damit ihr wieder neue Ideen für euer Training habt.

Bizeps und Trizeps – Bremse und Gaspedal
Die beiden wichtigsten Oberarmmuskeln mit unterschiedlichen Aufgaben sind der Trizeps und der Bizeps. Beim Fauststoß wird der Arm durch den Trizeps gestreckt und durch den Bizeps gebeugt. Wenn der eine Muskel angespannt ist, wird der andere Muskel entspannt, d. h. dass wenn der Trizeps den Arm beim Fauststoß streckt, ist der Bizeps entspannt und umgekehrt.
Merke: Bizeps und Trizeps sind antagonistisch. Sie haben entgegengesetzte Funktionen. Wer also beim Fauststoß den Bizeps spannt, handelt so unklug wie ein Autofahrer, der gleichzeitig Gas gibt und bremst!

Die kleine Physik des Fauststoßes
Je größer die Geschwindigkeit der auftreffenden Faust ist, desto größer ist die Zerstörungskraft des Fauststoßes. Das halbe Gewicht der Faust, multipliziert mit dem Quadrat der erreichten Geschwindigkeit, ergibt die Energie unseres Fauststoßes. [ E = ½ m * v² ]
An der Masse unserer Faust können wir kaum etwas ändern, wohl aber können wir durch Übungen der beteiligten Muskeln und Entspannen der störenden Muskeln die Faust auf eine höhere Auftreffgeschwindigkeit beschleunigen.
Merke: Je schneller der Fauststoß, desto größer die Zerstörungskraft.

Der Trizeps macht`s
Die Kraft des Fauststoßes hängt also von seiner Geschwindigkeit ab. Die Geschwindigkeit wiederrum hängt von der plötzlichen Streckung des Armes durch den Trizeps ab.
Merke: Die Kraft des Trizeps muss entwickelt werden. Dies geschieht vor allem durch bestimmte Bewegungen der Siu-Nim-Tau und spezielles Krafttraining. Je stärker die Trizepskraft, desto stärker der Fauststoß.

Die überragende Rolle der Gelenke beim Fauststoß
Grundsätzlich wird im WingTsun der Ellbogen ganz durchgestreckt und nach vorne gestoßen, Die Schulter jedoch geht sogar leicht zurück. Hierdurch wird vorne an der Faust eine Wirkung wie beim Peitschenschlag erzielt, die Sie sich leicht vergegenwärtigen können, wenn Sie mit einem nassen Handtuch schlagen können und es dann plötzlich zurückziehen.
Merke: Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk bewirken im WingTsun einen peitschenden Schlag.

Die Kraft soll nicht im Arm bleiben, sondern völlig auf den Gegner übertragen werden!

Der Sinn des Fauststoßes liegt in seiner vernichtenden Wirkung. Ein Stoß sollte im Ernstfall ausreichen, um den Gegner auszuschalten.
Großmeister Yip Man sagte, dass je mehr Kraft erzeugt werden könne, desto mehr Gelenke an einer Technik beteiligt seien.
Die Bänder bestehen aus faserigem kräftigen Material und verbinden die Knochen. Sie sind elastisch und flexibel. Wenn die Faust ihre Höchstgeschwindigkeit erreicht hat, wird sie abrupt aufgehalten, sobald der Arm völlig gestreckt ist. Das bedeutet aber keinesfalls, dass jede weitere Vorwärtsbewegung tatsächlich gestoppt wird. Die Faust, die gewaltig beschleunigt ist, wird weiter nach vorne getrieben unter Streckung der Bänder des Schulter-, Ellbogen- bzw. Handgelenks. Jetzt wird die Kraft völlig auf den Gegner übertragen und danach ziehen sich die Bänder wieder zur normalen Länge zusammen.
Merke: Wer seinen Arm beim Fauststoß nicht völlig streckt, verzichtet auf die größte Wirkung!

Woher weiß man, dass man beim Fauststoß keinen Fehler macht?
Der Sinn des Fauststoßes liegt darin, den Gegner zu verletzen. Die Energie eines Fauststoßes sollte also nicht von Ihnen, sondern ausschließlich von Ihrem Gegner gespürt werden. Die Reaktion des Gegners gibt mir Antwort über sie Stärke meines Fauststoßes. Gerade die Anspannung unbeteiligter, d. h. hemmender Muskeln auszuschalten, übt der WT-Anfänger in jedem Training besonders durch die Siu-Nim-Tau.

 

„Richtige Schrittarbeit“

Das wir im WingTsun Schrittarbeit benötigen wird spätestens dann klar, wenn wir uns bei Übungen im Training oder bei Angriffen im realen Kampf bewegen müssen, um nicht getroffen zu werden und somit dem Angreifer kein Ziel zu bieten. Man kann sich selbstverständlich auch ohne Schrittarbeit verteidigen, doch dann läuft man Gefahr dem Gegner eine Gelegenheit zum Angriff zu geben. So kann es zum Beispiel sein, dass man sein Gleichgewicht verliert oder seine Deckung nicht aufrecht erhalten kann und dann hat der Gegner gute Chancen seine Treffer bei uns zu landen, denn wir sind mehr auf uns konzentriert, unser Gleichgewicht wieder einzufangen oder uns wieder auf den Gegner auszurichten, dass wir kaum bis gar nicht mehr auf ihn achten und dadurch die perfekte Zielscheibe abgeben. Ich bin der Meinung, dass es unerlässlich ist die Schrittarbeit zu verinnerlichen, da wir sonst eine praktische und wirkungsvolle Hilfestellung wegschmeißen, die jedem von uns hilft sich richtig und gezielt zu bewegen.
Den folgenden zusammengefassten Artikel „Richtige Schrittarbeit“ aus dem Gesamtwerk „Wing Tsun Kuen“ fand ich deshalb sehr passend und interessant und gebe ihn aus diesem Grund hier wieder.

IRAS – Internally-Rotated-Adduction-Stance
Durch diesen Stand soll der Schwerpunkt des Körpers zwischen die beiden Knie gesenkt werden. Der Körper ist physikalisch stabil, wenn der Schwerpunkt tief ist und sich in der Mitte befindet. Seitlich gesehen stehen wir so, dass der Hinterkopf, der Rücken und die Hacken eine senkrechte Linie bilden. Wir wollen uns weder vorbeugen, noch nach hinten lehnen.

Die Wendung des Standes
Um sich im WingTsun gegen den stärksten Angreifer verteidigen zu können, muss unsere Hand-„Technik“ mit unserer Wendemethode übereinstimmen. Dazu muss man folgendes beachten: Bei einem Angriff keine aktive Wendung (uns selbst wenden), sondern eine passive Wendung machen (Angreifer wendet uns).

Nullgewicht auf vorderem Fuß
Das Hauptgewicht des Körpers muss auf das Standbein übertragen werden, sodass das vordere Bein völlig frei von Körpergewicht ist. Durch diese Gewichtsverteilung ist man mit dem vorderen Bein jederzeit in der Lage ansatzlos zuzutreten, ohne das der Gegner es zuvor mitbekommt.

Drehpunkt Fußmitte
Wir wollen stets die gleiche für uns individuell richtige Standbreite haben und drehen deshalb auf der ganzen Sohle. Wenn man den Fuß auf der Hacke dreht, wird der Stand breiter und wenn man den Fuß auf dem Ballen dreht, wird der Stand schmaler. Der dadurch entstehende Gleichgewichtsverlust müsste durch Armbewegungen oder Verschiebungen des Oberkörpers wieder ausbalanciert werden.

Woher kommt die Wendekraft?
In der Praxis liefert uns der Angreifer durch seinen Angriffsdruck die Kraft, um zu wenden. Bei der Cham-Kiu-Form und Übungen ohne Partner muss man ohne Druck selbstständig wenden.
Merke: Nicht der Körper wendet die Füße, sondern die Füße wenden den Körper.
Nur so bleibt das Gleichgewicht erhalten.

Ein Fuß zur Zeit
Auf der ganzen Sohle steht man stabiler als auf der Hacke, auf einem Fuß steht man sicherer als auf keinem. Wir drehen im WingTsun nur einen Fuß nach dem anderen, weil wir bei gleichzeitigem Drehen beider Füße sonst auf keinem Bein ein sicheres Gleichgewicht haben.

Kniespannung
Durch die Spannung zwischen den Knien im IRAS sind die Genitalien geschützt. Außerdem nutzt uns diese Kniespannung beim korrekten WT-Schritt.

Vorgehen
Beim Vorwärtsschritt wenden wir uns so, dass die Füße 45° gedreht sind und der Oberkörper 90° gewendet ist, wobei die Schultern parallel zum Ziel stehen.

Lokomotive und Waggon
Im WingTsun bewegt man bei einem Schritt beide Füße. Wie eine Lokomotive zieht das vordere Bein das hintere Bein hinter sich her. Dabei ist das vordere Bein die aktive Lokomotive, die den alleinigen Antrieb liefert und das hintere Bein ist der passive Waggon, das vom vorderen Bein nachgezogen wird. Sobald das vordere Bein steht, wird das zweite herangezogen sein.
Damit zumindest auf einem Fuß jeweils volles Gleichgewicht ist, bewegt sich nur ein Fuß zur Zeit. Dadurch ist man jederzeit ohne Gewichtsverlagerung zum Tritt mit dem vorderen Bein bereit.

 

„Ein Fauststoß wie ein Pferdetritt“

Was wir schon zu Beginn in der Form haben und auch immer wieder üben ist der Fauststoß. Da es aber gar nicht so leicht ist ihn richtig kräftig zu machen ist, wenn man sich mal mit seinem Partner hinstellt, er eine Pratze hält und man versucht ihn mit Fauststößen zurückzudrängen. Es ist ein großer Kraftakt und man hat das Gefühl, dass man nicht stark genug ist. Zumindest ging es mir immer so, da ich nie so besonderen Wert auf muskulöse Oberarme gelegt und deshalb auch nicht sonderlich viel dafür trainiert habe. Doch ich persönlich bin der Meinung, dass man einen kraftvollen Fauststoß für seine Verteidigung benötigt, denn es ist schon sinnvoll einen effektiven Treffer in einer solchen Situation zu erlangen. Es gibt selbstverständlich auch genug andere Techniken, die hierfür in Frage kämen, doch ein Fauststoß erleichtert vieles, wie zum Beispiel das Nachdenken darüber, was man am besten tun sollte. Aus diesem Grund gebe ich hier die wichtigsten Punkte des Artikels „Kettenfauststoßschmiede Berlin-Mitte“ aus der 33. Ausgabe der WingTsun-Welt wieder.

Die Idee der Kettenfauststöße ist als Angreifer auf kürzestem Wege sein Ziel zu erreichen, um dadurch in kürzester Zeit so viele Schlagtreffer wie möglich zu erzielen. Erfolgt ein beidseitiger Schlagabtausch, entscheidet in der Regel der Kämpfer, der den ersten harten Treffer gelandet hat, einen reinen Fauststoßkampf für sich. „Gearbeitet“ wird aber auf der Straße fast mit mehr oder weniger ausgeprägten Schwingern, da sie dem natürlicheren, genetisch bedingten Bewegungsablauf entsprechen, der sich unter Adrenalineinfluss einstellt. Schutz davor bietet in einer aktuellen Variante von WingTsun-Anwendungen der herausgenommene Ellbogen. Er passt sich so dem Schlag an und besetzt die Innenseite, um schneller am Ziel zu sein.

Was funktioniert ist immer von der jeweiligen Situation und dem Entwicklungsstand des Schülers abhängig. Kein Kampf gleicht dem Anderen und wird darüber hinaus von jedem der Beteiligten anders erlebt. Bildlich gesprochen bestimmt der Trainingszustand des WingTsun-Schülers die Reflexion der Sinneseindrücke bei einer körperlichen Auseinandersetzung. Die Art der Konfliktlösung, der Umgang mit einer immer wieder unbekannten Situation entspricht also direkt dem Fortschritt des Schülers. Das Spektrum reicht auf körperlicher Ebene vom sehr harten, aktiven Angriff des Anfängers als Verteidigung bis zur vollständigen Identifizierung mit dem Angriff des Gegners auf meisterlichem Niveau. Kampfstrategie und Kampftaktik sind die Grundlage für alle WingTsun-Prinzipien. Die beruhen richtiger Weise nicht auf Regeln oder Gewohnheiten, sondern auf biologischen und physikalischen Tatsachen.
Blitzartige, aggressive Faustattacken eines Straßenschlägers geben dem Verteidiger bis zu einem bestimmten Entwicklungsstand mit Sicherheit keine verwertbaren Druckinformationen. Auch bleiben die Angriffsarme nicht untätig an den Armen des Verteidigers liegen. Sie sind meistens schon vor ihrer Wahrnehmung wieder zum nächsten Schlag im Raum unterwegs. Eine unbedingt notwendige Grundlage für den WingTsun-Schüler ist ein Fauststoß wie ein Pferdetritt. Was nützt alle Verteidigung, wenn man den Gegner trifft und er davon nichts spürt. Dies wäre wohl eine der schlimmsten Vorstellungen, Deshalb sollte man auch unbedingt seine eigene Schlagwirkung realistisch einschätzen können. Das Transportmittel für die Fauststöße ist immer eine korrekte, verfolgende Schrittarbeit. Beides muss perfekt aufeinander abgestimmt sein. Zu beachten ist, dass der WingTsun-Schritt dem ersten Schlag folgt. Die Faust beginnt die Offensive und zieht das Bein auf der gleichen Seite unmittelbar nach. Man könnte sich sonst der Gefahr aussetzen, für einen kurzen Moment ungeschützt in den Gegenangriff zu laufen. Dieser erste Schlag hat eine ManSao-Funktion. Er ist Vorbote des Orkans und gibt die Richtung und den Schwung für die nächsten Schläge, die dann mit 100%-Intensität vorpeitschen. Die wirkliche WingTsun-Power entfaltet sich ab dem zweiten Schlag im Zusammenwirken mit der weiteren Schrittarbeit. Die Arme sind im Endzustand immer gestreckt. Der hintere Arm startet jeweils wieder auf der Höhe des Ellbogens. Die Schultern bleiben hinten, um das Gleichgewicht nicht zu gefährden. Die vordere Faust wird erst zurückgezogen, wenn die hintere Faust gestartet ist und übernimmt.
Zur Kontrolle der Zentrallinie streckt man im Training einen Arm mit WingTsun-Faust noch vorn auf die Zentrallinie. Um zu verhindern, dass die Mitte offen bleibt, achtet der sorgfältige Schüler darauf, dass die Handknöchel des gestreckten Armes die Zentrallinie besetzen. Bei den Kettenfauststößen entsteht so der Eindruck, dass sich die Arme leicht kreuzen. Für die physikalische Schlagwirkung schließlich ist es wichtig, dass der schlagende Arm bis zur völligen Streckung entspannt bleibt und sich bei der Rückbewegung bis zum Ellbogen des anderen Arms auch sofort wieder entspannt.

 

„Yip Man – ein Leben für Wing-Tsun“

Diese Überschrift gehört zu einem Artikel aus der 33. Ausgabe der WingTsun-Welt. Er beinhaltet die Geschichte Yip Mans von der Geburt über verschiedene Entwicklungsstadien seiner Kampfkunstgeschichte bis hin zu seinem Ableben. Was ich persönlich immer sehr interessant finde ist, dass obwohl man eine Person, die zum Beispiel nicht mehr lebt, nie getroffen hat, sich durch die Biografie oder einen solchen Artikel trotzdem ein Bild über sie machen kann, wie sie im Leben wohl so waren. Natürlich ist das kein Vergleich dazu jemanden persönlich kennenzulernen, doch so hat man wenigstens die Möglichkeit mehr über die Person zu erfahren und seine Gedanken, Handlungsweisen und Entscheidungen nachzuvollziehen.
Wer sagt, dass einem das nicht genug ist über Großmeister Yip Man in Erfahrung zu bringen, kann entweder sich noch weitere Informationen im Internet raussuchen oder sich auch den Film „IP MAN“ ansehen. Er kam2008 in die Kinos und erzählt 36 Jahre nach Yip Mans Tod die Geschichte seines Lebens nach. Inzwischen kann man sich aber auch noch die Filme „IP MAN 2“ und „IP MAN ZERO“ anschauen.

Yip Kai Man
Der Großmeister wurde 1893 unter dem Namen Yip Kai Man als drittes von vier Kindern geboren. Die Familie Yip war recht wohlhabend und besaß Grund und Boden. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für die chinesische Kampfkunst, ein Hobby, das zu jener Zeit für ein Mitglied seines Standes eher ungewöhnlich war.

Schüler bei Chan Wah Shun
Als ca. 1905 der Wing-Tsun-Meister Chan Wah Shun – auch Wah, der Geldwechsler genannt – in Räumen der Familie Yip eine KungFu-Klasse eröffnete, war das Ziel für den jungen Yip klar. Er wollte Schüler des berühmten Schülers von Leung Jan, dem König des Wing-Tsun, werden. Chan Wah Shun verlangte viel Geld, um den jungen Yip zu unterrichten und dieser brauchte einige Zeit, um das Geld zu beschaffen. Chan Wah Shun war skeptisch als Yip Man das Geld präsentierte und vergewisserte sich bei den Eltern, dass sich Yip Man das Geld erarbeitet hatte. So begann Yip Man sein Wing-Tsun-Studium im Alter von zwölf Jahren und als sechzehnter und letzter Schüler des großen Chan Wah Shun. Drei Jahre lang lernte Yip Man von Ihm, bis 1908 Chan Wah Shun stirbt.

Yip Man in Hongkong
Nach dem Tod von Chan Wah Shun ging Yip Man nach Hongkong, um dort auf dem St. Stephen’s College zu studieren. Das erste Mal benutzte er sein Wing-Tsun, um eine Frau vor den willkürlichen Übergriffen eines Polizisten zu beschützen. Er begegnete einem Mann, der sich gar nicht gut über die Kampfkunst von Yip Man äußerte und der junge und sehr von sich überzeugte Kämpfer war gekränkt und erbost. Doch nach einer körperlichen Auseinandersetzung, bei der Yip Man jämmerlich verlor, stellte er fest, dass es sich bei diesem Mann um Leung Bik, den jüngsten Sohn von Leung Jan, handelte. Yip Man begab sich ein weiteres Mal in die Obhut eines Wing-Tsun-Meisters, um seine Studien dieser Kampfkunst zu vertiefen.
Viele sagen, dass sich das Wing-Tsun von Chan Wah Shun und Leung Bik sehr unterschieden habe. Chan Wah Shun war eher ein rustikaler Charakter von kräftiger Statur, während Leung Bik ein gebildeter Mensch mit tiefem Verständnis für Philosophie war.
Yip Man sprach sein Leben lang von Chan Wah Shun als seinem SiFu und blieb ihm loyal verbunden. Als Leung Bik ca. 1912 starb, kehrte Yip Man bald darauf nach Fatshan zurück.

Zurück in Fatshan
Etwa 1918 kam ein Kämpfer aus dem Norden, Anhänger des Praying-Mantis-Stils (Gottesanbeterin-Stil) nach Fatshan und forderte dort alle Kampfkunstlehrer zum Duell. Die Lehrer von Fatshan wählten Yip Man als Vertreter und dieser besiegte den Herausforderer mit einer einzigen Bewegung. Als Retter der Ehre aller Kampfkünstler von Fatshan wurde Yip Man stadtbekannt und war hoch angesehen.

Yip Man wird Polizist
Da Yip Man in der Zeit der japanischen Besatzung und des zweiten Weltkrieges und seiner Nachwirkungen sein Vermögen verlor, nahm er ein einziges Mal in seinem Leben einen Job an: Er wurde Polizist in Fatshan und arbeitete in führender Position.

Wieder in Hongkong
Als sich dann die Kommunisten 1949 als siegreich im Kampf um die Macht in China erwiesen, zog es Yip Man nach Hongkong, in der Hoffnung, dort bessere Bedingungen für die Ernährung seiner Familie zu finden. Zunächst lebte er in Armut, doch auf Vermittlung eines Freundes wurde er KungFu-Lehrer der Gewerkschaft der Hongkonger Restaurant-Arbeiter mit wenig Erfolg. Nach zwei Jahren eröffnete er eine eigene Schule im Yau-Ma-Tei-Distrikt und begann, nach und nach steigende Schülerzahlen zu unterrichten. Die Polizei von Hongkong war von der Effektivität des Wing-Tsun überzeugt und es traten vermehrt Polizisten ein. Einigen wenigen Schülern rät Yip Man in dieser Zeit, eigene Schulen zu eröffnen.

Hong Kong Ving Tsun Athletic Association
1967 gründete er  mit  Hilfe seiner Schüler die „Hong Kong Ving Tsun Athletic Association“ un sicherzustellen, dass Wing-Tsun weiterhin auf hohem Niveau unterrichtet wird, auch wenn er sich ins Privatleben zurückzieht. Zwei Jahre später sah sich Yip Man allerdings genötigt, wieder ins Unterrichtsgeschehen einzugreifen, eröffnete weitere Klassen und senkte die Preise, wodurch der Bekanntheitsgrad des Wing-Tsun stieg.

Endgültiger Rückzug aus dem Unterrichtsgeschehen
Mitte 1970 zog sich der Großmeister endgültig zurück und übergab seine Schulen seinem Schüler Leung Ting, um sich in Zukunft mehr den angenehmen Seiten des Lebens im Teehaus, ins Gespräch vertieft, zu widmen. Im Jahr 1972 schließlich holte ihn das Schicksal ein. Mehr und mehr von seiner Krankheit gekennzeichnet, baut er auch körperlich ab. Auf seiner Beerdigung erschienen Kampfkunst-Meister aller Stile, um dem großen Yip Man die letzte Ehre zu erweisen. Ein weiterer Beweis für die Größe der Persönlichkeit dieses außergewöhnlichen Mannes.

 

„Das Getränk der Kaiser“

Was für uns Deutsche das Bier ist, also für die Meisten, ist für die Chinesen der Tee. Da ich persönlich lieber Tee trinke fand ich den Artikel „Das Getränk der Kaiser“ aus der 33. Ausgabe der WingTsun-Welt sehr interessant und wissenswert, da kaum einer von uns, wenn er sich nicht damit beschäftigt, besonders viel von der Teekultur bzw. der Bedeutung des Tees in China weiß.
In dem zusammengefassten Artikel geht es um die Teekultur, die Teesorten, die Verhaltensweisen im Land wenn und wo man Tee zu sich nimmt und um die Bedeutung des Tees für Chinesen.

Teekultur
Die fernöstliche Teekultur ist weltweit die älteste. Da verwundert es nicht, dass Tee aus dem fernöstlichen Alltag nicht mehr wegzudenken ist und sogar als Nationalgetränk der Chinesen gilt. Die klassische Teekulturwird heute noch in Form von Teezeremonien (Gong Fu Cha) gepflegt. Diese finden in privaten Räumlichkeiten oder in Teehäusern statt. Wie in der fernöstlichen Teetradition üblich, werden lose Teeblätter in eine Kanne gegeben und mit heißem Wasser übergossen. Solch ein Aufguss kann mehrfach wiederholt werden. Die Teezeremonie ist ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Gäste werden zum Zeichen der Wertschätzung mit Tee bewirtet. Im traditionellen KungFu ist es üblich, dass der Schüler seinem SiFu Tee serviert. Auch Großmeister Yip Man traf sich mit seinen Schülern in einem Teehaus, um sie dort in die Theorien des WingTsun einzuweihen.

Teesorten
Jede Teesorte kann, je nach Fermentierungsgrad (Welkungsgrad), einer bestimmten Teeklasse zugeordnet werden. Unterteilt werden die Teeklassen in grün, weiß, gelb (nur in China produzierte Spezialität), Oolong, schwarz und Pu Erh. Jede Teeklasse hat einen unterschiedlichen Wirkungsgrad. Während grüner Tee für Inspiration sorgt, wirkt der weiße Tee eher entspannend. Um in Gleichklang zu bleiben, empfiehlt sich der Oolong Tee. Tatendrang bewirkt schwarzer Tee und ein Energiebündel ist der Pu Erh. Innerhalb dieser Teeklassen gibt es vielfältige Variationen. Durch die Verwendung verschiedener, natürlicher Aromen entsteht ein ganz neuer Geschmack: Zu den Blättern werden natürliche Blüten und Gewürze Hinzugefügt, wie zum Beispiel Rosenblütenblätter, Orangenblüten oder Minze. Bei der Qualitätseinstufung von Tee gibt es zwei Klassifizierungen: zum einen nach der Ernteperiode, zum anderen nach der Qualität der Blätter. Danach bestimmt sich dann auch der Preis eines Tees.

Tee hat in China eine lange Tradition. Bereits vor Jahrtausenden gab es Teegärten, deren Pflanzen nur für den Kaiser und seine Gäste vorbehalten waren. Tee-Raub wurde mit dem Tode bestraft. Aber warum ist ein gutes Teehaus mehr Wert als eine Kölsch-Kneipe, und wie kann das Heißgetränk helfen, einen Kampf zu umgehen?
„Gang-Bei“ ist eine Art chinesischer Fehdehandschuh: eine Herausforderung, der man als China-Reisender nur schwer entkommt. Fest steht immerhin, dass das Duell von dem Gastgeber nicht aufgrund von Antipathie ausgesprochen wurde. Es ist ganz im Gegenteil, als Zeichen des Respekts und der Freundschaft zu deuten. Wer gerne Freunde hat, sollte den Fehdehandschuh aufnehmen, also das Schnapsglas erheben und ebenfalls laut: „Gang-Bei!“, rufen, was ein klares Versprechen ist, nämlich „das Glas zu Trocknen“. Zu Deutsch: „Auf ex!“ Und das nehmen Chinesen wörtlich. Schlückchenweise trinken hat in China nur in Damenrunden und Ausländerreservaten überlebt.
Da ein „GANG-Bei“ niemals allein daherkommt, sondern erst mit dem Niedergang des Gastes beendet ist, wählen weniger trinkfeste China-Besucher selbst die Waffen und bestellen ihrerseits einen Chinesen ins Teehaus. Wer sich vorher erkundigt und in das beste Teehaus im Ort einlädt, hinterlässt bei Chinesen einen bleibenden Eindruck.

Tee ist eine wertvolle Spezialität – die packt man nicht in Beutel

Genossen wird der Tee in den fernöstlichen Teehäusern in kleinen Gläsern. Klein zumindest im Vergleich zum Kölsch-Glas. Chinesen gönnen sich nicht den Luxus zwei verschiedene Getränke (eins gegen den Durst und das andere als Spezialität), sondern Tee erfüllt bei ihnen, je nach Güteklasse, beide Funktionen. Man muss wissen: Tee ist für Chinesen das erste Getränk nach der Muttermilch und das Getränk, das sie selbst dann noch trinken dürfen, wenn ihnen der Arzt „Gang-Bei“ verboten hat, was ungefähr so sinnvoll ist wie ein Bierverbot zum Oktoberfest.
Tee ist ein Genuss- und Kulturmittel, wie wir es im Westen von besonders gutem Wein oder Whiskey kennen. Selbst Familien mittleren Einkommens gönnen sich den Luxus, für eine kleine Packung Tee hunderte von Dollar auszugeben. Genau solche Tees werden in einem Teehaus serviert. Pur, mit Hilfe eines Siebes in kleine Tässchen gegossen und nie, nie, niemals mit Hilfe eines Beutels aufgebrüht. Und genau so sollte man ihn als ausländischer Gast auch zu sich nehmen.