„Antigrappling & Chi Gerk“

Was wir WTler von WingTsun halten und denken wurde in schon so vielen Artikel festgehalten, doch was denken andere Kampfkünstler oder -sportler über WingTsun? Wir selbst sollten nicht nur etwas über WingTsun wissen und es ausüben, sondern wir sollten auch mehr über die anderen Stile und Künste kennen, denn was hilft es uns schon wenn wir ständig nur mit WTler WingTsun eintrainieren und dann in der Realität werden wir von einem Straßenkämpfer angegriffen und er verhält und bewegt  sich komplett anders als wir es einstudiert haben. Deshalb bis ich der Meinung, dass wir uns ausreichend mit den anderen Kampfkunst und -sportrichtungen beschäftigen sollten, um die Angriffe der Anderen zu Üben und uns somit gut auf den Ernstfall vorzubereiten. Aus diesem Grund finde ich es sehr interessant, was andere über unser System denken. Der Artikel „Antigrappling & Chi Gerk“, den ich heute hier vorstelle stammt aus der Zeitschrift Kampfkunst International.

Antigrappling und Chi Gerk  Fortgeschrittenes Antigrappling
Im Artikel geht es um die Techniken des „Antigrappling“, die es uns erlauben, einen Feger oder Wurf, eine Hebel- oder Würgetechnik zu verhindern. Die Gegner benutzen sogenannte Einstiegstechniken, um dann Hebel etc. anzusetzen, die wiederum vor allem auf Geschwindigkeit, Explosivität und Kraft basierten. Gegenüber derartigen Angriffen benutzen wir die generelle Strategie und die Weichheit des WingTsun.
Wie kann man sich gegen einen Grappler wehren, der ebenfalls eine Art Weichheit aufzuweisen hat, mit der er an uns kleben und die jeweiligen Drucklöcher und Widerstände auffinden kann? Im WingTsun haben wir dafür ein fortgeschrittenes Chi Sao, das speziell der dritten Form, der Holzpuppe zugerechnet wird und dem später das Chi Gerk beigefügt wird.

Wie man Aktionen neutralisiert, die unsere Deckung kontrollieren wollen
Ein echter Experte in Grappling (Ringen, Sambo, Judo, Jiu-Jitsu, Shuai Jiao, etc.) wird sich nicht nur darauf verlassen, unsere Deckung mit bratpfannenartigen Angriffen zu öffnen, er wird sich auch an unseren Armen festhalten wollen, was einer Art primitiven Chi Sao gleichkommt. So könnte es dann unseren Bewegungen folgen und einen Hebel oder Feger ansetzen, einen Schlag oder Stoß.
Versteifen und widersetzen wir uns, sind wir verloren. Wir dürfen aber auch nicht in das Spiel eines reinen „Fähigkeitsvergleiches“ einlassen, um zu sehen wer in der Kunst der „Weichheit“ der Überlegene ist. Unsere Meinung nach darf das Chi Sao nicht länger als ein Bruchteil einer Sekunde dauern, um nachzugeben und dann unverzüglich zu schlagen. Um dieses Duo Weichheit – Explosivität zu erreichen, muss man die „Harmonie der Bewegung“ des fortgeschrittenen WT entwickeln, Auf diesem Niveau benötigt man zum Öffnen einer Deckungslücke nicht mehr als einen Zentimeter des Nachgebens. Mit dieser ersten Bewegung schon steigern wir ein, greifen an und geben doch nach, mit der kleinstmöglichen Bewegung und der größtmöglichen Geschwindigkeit.

Kraft: Ausnutze des Falling Step
Bei diesem Punkt können wir die Fähigkeiten des Fortgeschrittenen WT anwenden. Die erarbeitete Koordinationsfähigkeit erlaubt es uns, dank dem „verbundenen Körper“ und den „Federgelenken“ gleichzeitig nachzugeben und zu schlagen Körpergewicht und Wendung sowie die Eigenheit der Muskeln in den Falling Step zu legen, um dann mit Kettenangriffen fortzufahren.

Schritte und Kao Sao: Drehung und sich in den gegnerischen Rücken bringen
Die Holzpuppentechniken scheinen speziell dafür gemacht zu sein, um Ringerexperten zu besiegen. In dieser Hinsicht gehört dieser kleinen Bewegung genannt „Kao Sao“ große Aufmerksamkeit geschenkt. Möglicherweise ist dies die Technik, die uns zum Erlernen am meisten Mühe kostet: Nachgeben mit dem Kao Sao, ohne an Gebiet zu verlieren und ohne dass der Gegner unsere Technik bemerkt, eben so wie der Torero den Stier vorbeilässt. Dominieren wir diese Bewegung, erfahren wir eine enorme Steigerung an Kampfkraft. Wir können sie dann mit den Kreuzschritten der Holzpuppe kombinieren und unsere Hände und Füße leicht in den gegnerischen Rücken bringen und wenn wir dem Gegner keinen Schaden zufügen wollen, können wir Kontrolltechniken anwenden oder ihn leicht fegen.

Ellenbogen und Knie
Paradoxerweise ist es bei der „Abwehr“ eines Grapplers oft so, dass man am besten noch mehr die Distanz schließt, damit er in unsere Falle aus Ellenbogen- und Knietechniken geht. Die Ellenbogen aus der Biu Tzi Form sind ungewöhnlich kräftig, denn sie arbeiten mit dem „verbundenen Körper“ und Falling Step. Ebenso öffnen sie den Weg für die Handkantentechniken zu Hals und Kinn.
Auf fortgeschrittenem Niveau können wir dann die Wirbelsäule zum Nachgeben nach hinten einsetzen wodurch wir die Distanz völlig schließen und unseren Gegner plötzlich und total in ein Loch fallen lassen, sodass dieser uns mit einem Mal all seine vitalen Punkte anbietet.

Trainieren ohne Arme

Eine sehr sinnvolle Übung, um den Umgang mit der Wirbelsäule und den Hüften (in die entgegengesetzte Richtung arbeiten lassen) zu erlernen ist, sich an der Hüfte greifen zu lassen. Der Partner versucht uns hochzuheben und zu werfen, wir hingegen müssen den Rumpf und die Beine zum Nachgeben einsetzen, dort, wo wir die Kraft fühlen und wir müssen drücken, wo wir Leere spüren – all dies ohne die Hilfe der Arme. Sind wir in der Lage, unter diesen Bedingungen seine Absichten zu verhindern und dann noch die Arme hinzunehmen, dann kommt es uns wie ein Kinderspiel vor.
Diese Fähigkeit ist ebenso von großem Nutzen beim Bodenkampf, um aus den verschiedensten Positionen zu entkommen.

Chi Gerk – die Kunst der „Klebende Beine“
Viele Kampfkunstliebhaber glauben, dass WingTsun ein Kung-Fu Stil sei, bei dem man fast nur die Arme und nur sehr wenig die Beine benutze. Das ist nur bis zu dem Punkt richtig, bis man den fortgeschrittensten (waffenlosen) Aspekt des WT kennen lernt: Das Chi Gerk. Chi Gerk ist grundsätzlich gesehen wie das Chi Sao („Klebende Hände“), nur dass man dabei die unteren Extremitäten benutzt, weswegen es viel schwieriger ist: wir müssen das Gleichgewicht nun auf nur einem Bein halten während wir mit dem anderen nachgeben oder treten. Außerdem ist die Zahl der einsetzbaren „Federn“ wesentlich kleiner: Es stehen uns nur die Hüften, Knie und Knöchel zur Verfügung, während wir bei den Armtechniken mit Schultern, Wirbelsäule (zwölf Rückenwirbel und fünf Lendenwirbel), dem Becken, den Hüften, Knien und Knöchel  Kräfte „aufsaugen“ können.
Chi Gerk kombiniert neue Schritte, um sich so in den gegnerischen Rücken zu bringen und gleichzeitig mit drei Waffen (zwei Arm- bzw. Handtechniken und einer Beintechnik) anzugreifen.
Im Chi Gerk finden wir defensive und offensive Aspekte. Unter „definsiv“ verstehen wir jene Bewegungen, die sich dem Aufnehmen der gegnerischen Energie widmen (und dadurch Lücken öffnen) und zu den „offensiven“ die Tritte.
Chi Gerk hat gleiche Anwendungsmöglichkeiten, die hinsichtlich der Distanz variieren. Diese sind die lange Distanz (Techniken zur Aufnahme und Neutralisierung von tiefen Tritten und Fegern), die Fegerdistanz, die Nahkampfdistanz (Arme und Beine in Kontakt) und die Hebeldistanz.

 

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