Wie funktioniert der Wing Tsun Blog

Herzlich Willkommen auf unserem neuen Wing Tsun-Kung Fu Blog!

Wir werden in regelmäßigen Abständen unterschiedliche Themen aufgreifen und über Wing Tsun, allgemeine Themen, philosophische Geschichten und verschiedene News berichten.

Ihr habt die Möglichkeit, aktiv teilzunehmen und könnt gerne Kommentare oder auch Gastbeiträge schreiben.

Auf der linken Seite findet Ihr die Kategorien Leiste, die mit der Zeit immer weiter aufgebaut werden soll.

Sind mit der Zeit so viele Beiträge vertreten, dass Ihr sie nicht auf Anhieb findet, könnt Ihr unter dem Begriff „Tags“ Stichwörter eingeben und der Artikel wird dann gesucht.

Und jetzt viel Spaß auf dem Blog wünscht Euch Euer Sifu Jürgen Küpper.

 

„Die Qual der Wahl: TT oder WT?“


Der heutige Artikel von der offiziellen Homepage der EWTO aus der Rubrik WingTsun zeigt uns mal, wie man sich schon im Jugendalter für WingTsun interessieren kann, was für Entscheidungen man zu treffen haben kann und welche Beweggründe es geben kann sich für WingTsun zu entscheiden, obwohl man noch zur Schule geht.

Ich finde es einfach toll und interessant zu erfahren, wie andere WingTsun-Begeisterte zur Kampfkunst kamen, da man sich eventuell selbst wiederfinden kann und somit weiß, dass man nicht alleine ist. Außerdem bin ich der Meinung, dass es helfen kann sich besser in seiner eigenen Umgebung zurechtzufinden, wenn man sich nicht sicher ist, ob man alles richtig gemacht hat und wie es anderen geht, die sich entschieden haben eine Kampfkunst auszuüben und was sich damit in ihrem Leben so verändert hat. Denn jeder Kampfkünstler übernimmt (manchmal schneller oder langsamer) automatisch einige Bewegungen und Techniken aus der Kampfkunst für seine alltäglichen Abläufe und Erledigungen. Man bewegt sich anders, man ist aufmerksamer für bestimmte Situationen, man achtet auf Dinge, die einem vorher nie aufgefallen wären und man entwickelt ein völlig neues Körpergefühl, was einem hilft sich geschmeidiger und besser fortzubewegen. Daher finde ich die Ansichten anderer Kampfkünstler interessant, um sie mit meinen zu vergleichen und zu entscheiden, ob man sich weiterentwickeln sollte oder ob man diese Ansichten des Anderen nicht teilt und sich seiner Linie treu bleibt.

Aber nun zum heutigen Artikel:

 

Benedikt Rechmann, der jüngste fortgeschrittene WT-ler der EWTO, begeistert sich auch für den Kampf um den kleinen Ball am grünen Tisch. Als Tischtennisspieler hat er in zahlreichen Turnieren bereits beachtliche Erfolge erzielt…

 

Die Anfänge

Also auf meinem Weg als 7-jähriger in den Anfängen meines Schuldaseins – genauer im 2. Schuljahr der Grundschule habe ich die ersten Berührungen mit Tischtennis gehabt. Mein Lehrer in der Grundschule hat für Interessierte eine Tischtennis AG nach der Schule angeboten. Hier spielten Jungen und Mädchen gemeinsam Tischtennis und neben dem ernsthaften Training hatten wir viel Spaß.
In dieser TT-AG trainierte ich mit viel Freude und gewann im Jahre 2001 die Schulentscheidung zur Teilnahme an den Kreismeisterschaften. Hier belegte ich den 1. Platz und löste damit den Fahrschein zur Teilnahme an den Bezirksmeisterschaften. Ich wurde vierter – aus taktischen Gründen: die ersten drei dürfen im kommenden Jahr nicht mehr teilnehmen, da ich aber einer der jüngeren Teilnehmer war, wollte ich mir die Möglichkeit im nächsten Jahr unter Umständen die Qualifizierung zur Teilnahme an der Landesmeisterschaft nicht verbauen. Nach dem Erreichen dieses 4. Platzes bei den Bezirksmeisterschaften trainierte ich weiter – jetzt auch zuhause mit meinem Dad und meinen Freunden in der Garage und beim SV Morsbach. Auch mein Lehrer aus der Grundschule, der mir die ersten TT-Bewegungen beigebracht hatte, betreute uns im Verein.
Tischtennis begann mir immer mehr Freude zu machen. Das Training ließ sich gut mit meinen WingTsun-Trainingszeiten vereinbaren. Meine Begeisterung spiegelte sich auch in meinen Leistungen wieder.

 

Der Ehrgeiz ist erwacht

Ab Februar 2002 trainierte ich im Bundesliga-Verein Bergneustadt unter der Leitung des Chef-Trainers Boris Rosenberg (ehem. Nr. 15 der Weltrangliste), der auch privat viel mit mir trainierte. Obwohl er ein strenger Lehrer war haben wir viel Spaß miteinander gehabt und viel gelacht. Auch wurden wir von Vlado Broda und Sandor Jankovic (ehem. Weltklassespieler) trainiert. Im Jahre 2002 wurde ich Kreismeister Oberberg, Bezirksmeister Siegerland und fuhr zu der Westdeutschen Tischtennis-Landesmeisterschaft nach Altena. Ein Sieg hier wäre die Möglichkeit am Bundesfinale teilzunehmen und unter den 10 besten in Deutschland zu sein! Die Eindrücke und die Stimmung hier – nicht nur geprägt von der Nervosität und Anspannung der Teilnehmer – sondern auch durch die Showeinlagen ehemaliger und amtierender Weltklassespieler des Tischtennis ist kaum in Worten wiederzugeben. Die Halle bebte bei jedem Spiel und die Fans, Trainer und Begleiter waren nervöser, als die Spieler selbst. Daran teilgenommen zu haben, war alleine schon ein großes und einprägsames Erlebnis!

Nach anstrengenden, kräftezehrenden und nervenaufreibenden Matches (100 Teilnehmer!) im Gruppen- und später K.O.-Entscheid kam ich schließlich in das Finale. Ohne Pause nach dem Halbfinale ging es in das alles entscheidende Endspiel! Gespielt wurden 3 Sätze – nach einem ausgeglichenen 1: 1 Spielstand habe ich den entscheidenden 3. Satz mit 11:8 verloren. Ich wurde 2. bei der Landesmeisterschaft in Altena und fuhr unter großer Enttäuschung mit meinem Betreuer Boris Rosenberg nach Hause. Vielleicht hätte ich mit meinen Möglichkeiten die Chance erst im kommenden Jahr nutzen sollen, da ich 1-2 Jahre jünger war als die übrigen Teilnehmer. Aber mit meiner Teilnahme und dem Erreichen des 2. Platzes war mir eine weitere Teilnahme im kommenden Jahr versagt. Später erfuhr ich, dass mein Gegner aus dem Endspiel bei dem Bundesfinale in Döbeln den 4. Platz belegt hat. Ich trainierte weiter. Der Westdeutsche Tischtennisverband trat an meine Eltern heran, da man mich zur Talentförderung vorgeschlagen hatte.

Im August des gleichen Jahres – 2002 – nahm ich an der Tischtennis-Olympiade bei Borussia Düsseldorf teil und belegte nach einem 3-tägigen Turnier den 3. Platz.

 

Einsichten

Langsam wurde mir bewusst, dass Tischtennis ein Sport ist, bei dem der Körper sehr einseitig gefordert. Die notwendige Schlagbewegung wird nur mit dem jeweiligen Schlagarm ausgeführt – es gibt eine Schrittfolge, die notwendig ist, um die Vor- bzw. Rückhand richtig auszuführen und eben individuelle Varianten der Ballführung, die der Spieler durch die Unterarm- und Handgelenkhaltung ausführt.
Da ich den unmittelbaren Vergleich zu WingTsun hatte und habe, bemerkte ich wie vielseitig das WingTsun – Training ist:
Hier werden durch das ausgewogene rechts- und linksseitige Ausführen der Formen beide Körperhälften gleichermaßen gefordert und trainiert. Großmeister Kernspecht legt bei den Lehrgängen immer Wert darauf, dass seine Schüler die Formen mit beiden Armen gleichermaßen trainieren und ausführen, um eine möglichst ausgewogene Sicherheit auf der rechten und linken Körperseite zu erreichen. Natürlich trainierte ich während dieser ganzen Zeit parallel auch sehr intensiv WingTsun mit meinem Sihing Axel Lukas und meinem Si-Fu Hans-Jürgen Remmel und besuchte Lehrgänge mit Großmeister Kernspecht. Die Vorbereitung auf meinen 1. Technikergrad WingTsun nahm sehr viel Zeit in Anspruch. 2002 habe ich meinen 1. TG WingTsun von GGM Leung Ting und GM Kernspecht verliehen bekommen.

Mittlerweile nahm mein Tischtennistraining mindestens drei Nachmittage in der Woche ein und begann mit meinem WingTsun-Training zu kollidieren. Die Trainingszeiten überschnitten sich, und ich musste mich für einen Weg entscheiden – was mir schwer viel, da mir Beides fast gleich viel Freude bereitete … WingTsun mehr, aber Tischtennis reizte mich eben auch.
Eine Talentförderung im Tischtennis kam aber nicht in Betracht, hätte sie doch meine gesamte Freizeit in Anspruch genommen … und als berufliches Ziel kam Tischtennis für mich überhaupt nicht in Frage!

 

Die Entscheidung

Ich entschied mich für den WEG, den ich langfristig gehen möchte: Ich entschied mich für WingTsun!!!

Trotzdem begleitete mich Tischtennis weiterhin:

Ich wechselte wieder zum SV Morsbach, weil Schwalbe Bergneustadt ultimativ eine Entscheidung von mir für Tischtennis mit einem wöchentlichen Trainingsplan von 4 Mal in der Woche erwartete. Beim SV Morsbach wurde ich 2003 Jugend-Vereinsmeister (Teilnehmer bis 18 Jahre). Auch in der Schule spielten und spielen wir Jungs regelmäßig in den Pausen Tischtennis. In dem jährlich veranstalteten MILCH-CUP nahm 2003 auch unser Gymnasium teil. Der Milch-Cup ist ein Sport-Event, der von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW und des Düsseldorfer Umwelt-Ministerium organisiert wird. Unsere Klasse stellte auch zwei Teams. Das Team in dem ich mitspielte kam in das Endspiel und wir wurden Zweiter.

Im Jahre 2004 hatten wir uns dann das Ziel gesetzt, möglichst den 1. Platz in der Landesmeisterschaft zu belegen. Hierfür trainierten wir mit ganzer Kraft und ganzem Einsatz!

Wir qualifizierten uns im Schulentscheid, im Kreisentscheid und im Bezirksentscheid und fuhren schließlich nach Düsseldorf zum Landesfinale bei Borussia Düsseldorf. An diesem Wettbewerb nahmen 9500 Schüler teil: Hier waren u.a. richtige Cracks aus der Tischtennisszene anwesend. Und: Wir haben gewonnen!

 

Wer einmal dran gerochen hat …

So richtig kann ich vom Tischtennis nicht los lassen. Zwar trainiere ich nur noch einmal in der Woche, aber ich nehme an Turnieren teil und spiele auch in der 1. Jugend-Mannschaft.

2004 belegte ich bei der Kreisrangliste den 1. Platz, bei der Bezirksrangliste den 3. Platz, bei der Westdeutschen Rangliste den 14.Platz. Sicher wäre es schön gewesen zum Bundesfinale fahren zu können, aber es war auch ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ich sicherlich bei einem größeren Trainingsaufwand (wie ihn die anderen Teilnehmer hatten) eine bessere Chance gehabt hätte! Aber ich hatte mich für einen Weg entschieden und der heißt: WingTsun!

Ich bin zufrieden und froh meine Entscheidung für WingTsun getroffen zu haben.
Einen Weg mit der ganzen Kraft zu gehen und den Einsatz dafür zu geben, macht zufriedener, als viele Dinge mit halber Kraft zu tun.

 

 

„Übungsserie für den Sandsack“


Heute stelle ich einen Artikel von der offiziellen Homepage der EWTO aus der Rubrik WingTsun vor, bei dem es um Trainingsmöglichkeiten am Sandsack geht. Dabei wird ein kompletter Ablauf für das  Sandsacktraining beschrieben, der die gesamte Konzentration fordert.

Durch solche (für uns eventuell neue) Trainingsmethoden ist man nicht so fixiert auf bestimmte Übungen und hat so die Möglichkeit auch mal Muskelgruppen zu benutzen, die man sonst in der Regel so nicht benutzt oder nur auf andere Weise. Außerdem wird das eigene Training auf diese Weise nie langweilig, was ja nicht gerade von Vorteil wäre und man bekommt ein ungefähres Gefühl davon, wie man sein Training besser bzw. umfangreicher gestalten könnte, um den gesamten Körper noch flexibler zu bekommen.

Die Übungsserie für den Sandsack ist speziell an das WingTsun angepasst und hilft uns unsere Fähigkeiten und wichtigen Grundlagen wie kleben bleiben, Kettenfauststöße, Vorkampfstellung, Gleichgewicht, Zentrallinienausrichtung, Schlagkrafttraining usw. zu verbessern und zu verfeinern.

Ich würde es einfach mal ausprobieren um zu sehen, wie es sich auf einen persönlich und sein WingTsun ausübt.

 

1. Übung:

Ausführung: Der Sandsack wird auf den Boden gestellt, wir stellen uns in WT-Vorkampfstellung davor. Bevor nun der Sack umfällt, starten wir mit Fuß und Kniekontakt kontrollierend zum Sandsack. Während der Sandsack fällt, folgen wir „klebend“ mit unserem Fuß und Knie, während wir permanent Kettenfauststöße ausführen.

Anforderungskatalog: WT-Vorkampfstellung, Reaktionsvermögen, Konzentration, Koordination

 

2. Übung:

Ausführung: Mit dem Fuß Kontrolle ausüben, die Arme absenken, während weiterhin Kettenfauststöße gemacht werden.

Anforderungskatalog: Gewicht auf dem hinteren Bein, mit Spannung (nicht Kraft) arbeiten, Gleichgewichtssinn

3. Übung:
Ausführung: Diese Techniksequenz sollte in einer realistischen Auseinandersetzung nur zustande kommen, wenn die Eigensicherung gegeben ist (d.h. sich keine weiteren Gegner in der Nähe befinden). Zum Üben ist die weitere Ausführung aber ideal. Schnelle harte Kettenfauststöße und Ellenbogenschläge werden auf den Sandsack geschlagen.

Anforderungskatalog: Kontrolle der Zentrallinie, Schlagkrafttraining

 

Gefühlte Leistung: Vor Ort kann eigenständig eine Schwachstellenanalyse vorgenommen werden (bin ich zu langsam, bin ich zu schnell?). Der gesamte Ablauf sollte rund und koordiniert wirken. Später kann das Tempo gesteigert und die Pausen zwischendurch gemindert werden. Drei Sätze je 10 Wiederholungen sollten anfangs genügen.

 

Anmerkung: Dies ist nur eine Übungsidee, die nicht bedeuten soll, dass wir dem Gegner grundsätzlich zum Boden folgen. Tatsächlich versuchen wir immer stehen zu bleiben und jederzeit mobil zu sein, was am Boden nicht möglich ist.

 

 

„Wie ich Sicherheit suchte und eine faszinierende Welt entdeckte“


… oder Willst auch Du lernen, aus Dir selbst zu leuchten?

Wo beginnen? Alles ist so wichtig, so interessant, so erhellend, so begeisternd, so füllend mit allem, was ein Mensch braucht … Nun los, Sylvia, fang endlich an …

Ich bin im Außendienst für einen Verlag unterwegs. Thüringen und Franken – das ist ein toller Job! Ich mag jeden neuen Tag sehr und die vielen Menschen, die ich dabei kennenlerne; auch das Reisen und bewegt sein …

 

Dessen ungeachtet gab es ein sehr unangenehmes – möchte sagen – exorbitant verängstigendes und bedrohliches Erlebnis.

 

Als passionierte Kinogängerin besuchte ich des Öfteren das Kinopolis in Aschaffenburg. Nach Ende der Vorstellung meines ausgesuchten Lieblingsfilms ging ich dieses Mal nicht sofort ins Parkhaus. Als ich dann das Kino verließ, meinen Parkschein bezahlte, hielten sich im Parkhaus nur noch wenige Kinobesucher auf.

Deshalb beeilte ich mich, zum Auto zu gehen. Es war ein ganzes Stück zu laufen.

Ich hörte Stimmen hinter mir. Als ich mich umdrehte, sah ich drei junge Männer – laut redend auf sich aufmerksam machend, wild gestikulierend.

Ich muss mit ihnen allein gewesen sein. Jedenfalls sehe ich in diesem Moment sonst niemanden mehr. Als sie mich wahrnehmen, beginnen sie zu lachen, werfen mir ungehörige Worte hinterher, wovon „Schlampe“ noch vergleichsweise harmlos ist.

Ich bekomme Angst und weiß nicht, was ich tun soll, laufe schneller. Aber das hilft nicht. Sie lachen, schubsen mich, pöbeln herum. Gedanken schießen durch meinen Kopf: „Sind die betrunken? Was soll das nur? Mein Auto – Gott sei Dank! Doch wo ist mein Schlüssel …“ Siedend heiß überkommt mich der Schweiß. Ich habe weiche Knie, zittere, finde den sch… Schlüssel nicht. Ich bekomme keine Luft mehr, bin voller Panik. Tränen laufen über mein Gesicht und sie lachen, schubsen, pöbeln und lachen.

Und dann ein richtig schwerer Hieb in meinen Rücken. Ich knalle ans Auto. Todesangst ist in mir. Dann laufen sie endlich, endlich weg.

Das war das demütigendste Erlebnis, das ich jemals hatte: Es ist das schrecklichste Gefühl, was man haben kann: Opfer zu sein.

Ich ließ alles beinahe schweigend über mich ergehen. Ich habe gar nichts getan und schäme mich dafür noch heute. Nichts funktionierte mehr so, wie es sollte. Mein Kopf war  so leer wie eine gelöschte Datei. Ich war steif und völlig unfähig zu tun, wonach die Situation verlangte. Schreien wäre ja schon eine Option gewesen – aber ich war wie gelähmt. Ich stand wie unter Strom, nur noch beißende Angst.

Danach habe ich viele Wochen versucht, wieder mit meinem Leben klarzukommen. Ich hab mir selbst nicht mehr über den Weg getraut. Ich hatte Angst vor allem und jedem und vor allem vor Parkhäusern. Im Außendienst tätig und immer unterwegs, musste ich aber ständig in Parkhäuser. Ich stand in solchen Situationen immerzu neben mir.

 

Mit meiner damaligen Todesangst wurde mir eines klar: Wenn ich nicht weiß, was ich in solchen Situationen für mich selbst tun kann – nicht einmal ansatzweise – dann habe ich keine Chance. Und es ist unerträglich, zu dumm zu sein, um sich verteidigen zu können – quasi durch Unwissenheit Schaden zu nehmen und nicht wenigstens versucht zu haben, diese Typen abzuschütteln.

Solche Ängste sind nicht zu ertragen. Der Körper ist einfach nicht mehr steuerbar: Hilflosigkeit in sich selbst. Im eigenen Wesen verunsichert zu sein, sorgt für große Labilität auch in anderen Bereichen des Denkens. Ein Karussell, das sich immer schneller dreht und nicht mehr aufhört… Sorgen, Ängste, Ängste, Sorgen, … Chaos …

 

Daher ging ich auf die Suche nach einer Möglichkeit etwas zu erlernen, das mich schützen sollte. Google auf und los ging’s. ‑Klasse! Eine gefühlte Milliarde Angebote! Was mich ansprach, war schließlich die Geschichte des WingTsun – eine Frau, die für eine Frau eine Kampfkunst kreierte. Ja, genau das wollte ich auch erlernen und, wenn ich bräuchte, bis der Rollator mir näher wäre als mein Auto.

 

Wo? Am besten montags in Mainaschaff in direkter Nähe meines Arbeitsortes. DaiSifu Schrön und seine Frau lehren dort. E-Mail hin, ein erster Termin. Fein.

Ich fuhr etwas früher hin, um zu schauen, wo es ist und wie es sich anfühlt. Ich schaue mich um, gehe ums Gebäude. „Na klar, alles fremd … Wird schon …“

Und dann ein paar Jungs – ähnlich denen in der Tiefgarage des Kinopolis: Wieder Herzklopfen, totale Panik … Da bin ich einfach abgehauen.

Andere Menschen machen mir plötzlich Angst. „Mädel, was soll das nur werden?“ Ich bin sooo enttäuscht von mir …

Alles wird noch schlimmer. Es überträgt sich auf mein Leben – was für ein Theater!

 

Noch am Abend im Hotel suche ich in meinem Erfurt. Ich bin Erfurterin mit Leib und Seele. Das ist meine Stadt. Ich liebe sie. Ich finde die WingTsun-Schule von Holger Peter. „Herrlich! in Erfurt gibt’s auch eine.“ Dort bin ich zu Hause, fühle ich mich wohl.

Zunächst Kontakt per E-Mail. Sofort am nächsten Tag ein Anruf: nette, ruhig machende Stimme. Termin am Mittwoch gleicher Woche.

„Diesmal läufst Du nicht weg, Mädel! Diesmal nicht! … Ich bin doch bekannt für meine Sturheit und mein Durchhaltevermögen, nicht wahr?“

 

Mein erstes Training … ich bin schrecklich aufgeregt … zitter … Aber ich wollte es so. Also los! Erste Menschen sammeln sich vor der Schultür. „Jedes Alter dabei, gut!“ Dann kommt Holger Peter die Treppe hoch. Ein Lächeln im Gesicht – welche Gelassenheit – begrüßt jeden mit Handschlag … und hinein geht es.

Schöne helle Räume – Freundliches, Warmes, Ermunterndes ist zu erfühlen.

 

Meine ersten Stunden sind stets für mich von riesiger Aufregung begleitet. Jedoch kann ich jedes Mal etwas für mich mitnehmen: Fast simpel anmutende Methoden der Deeskalation der ersten Abwehr sind dermaßen effektiv – ich bin einfach fasziniert …

Geduldig erklärt Sifu Holger, wie zu beginnen ist. Einmal die Woche gehe ich hin und merke schnell, das reicht mir irgendwie nicht.

Jetzt gehe ich 3 Mal die Woche zum Training und sehne mich nach noch mehr Zeit, dort zu sein …

 

Und ich bemerke, was es mit mir macht, das Erlernen des Wing Tsun:

Die SiuNimTau, die ChamKiu, die Schritttechnik, die ineinander greifenden Techniken, diese Weichheit, die Sensorik, die Philosophie dieser Kampfkunst.

Und der Spaß, mit Gleichgesinnten jeden Alters weiter zu erlernen.

 

Ich mache mein Waschhaus zu meinem Trainingsraum: Ich streiche ihn in den Farben der Schule – sie entspannen gut. Eine Hantelbank rein, meine selbstgetöpferten chinesischen Masken dazu, einen Bonsai, einen kleinen Zimmerbrunnen, Boxsack, Wandsack, Yogamatte. Dazu Entspannungsmusik und „ein bisserl was anderes Dolleres…“ Einen Buddha in die Mitte. „So, fertig! Mein kleines Reich!“ Dieser Raum ist auf mich ausgerichtet. „Meins!“ Und drei Prüfungsurkunden – meine Heiligtümer – hängen auch schon an der Wand!!!

 

Ich höre von Taoismus, Konfuzianismus, von ChiKung. Ich lese Laotse: Tao te King. Es gibt bei allem, was ich noch nicht verstehe, die Gewissheit: Ich werde alles anders betrachten müssen … wollen. Mein ganzes Sein wird sich verändern.

 

Und dann schließt sich auch der erste Kreis: Unfassbar! Sifu Holger Peter und DaiSifu Thomas Schrön scheint eine nachhaltige Freundschaft zu verbinden und so treffe ich diesen sympathischen und freundlichen Menschen schließlich doch noch. In Erfurt, zu den Lehrgängen und Prüfungen. „Prima!“

Gerade erst liegt der letzte WT-Lehrgang hinter mir und meine Begeisterung ist noch allgegenwärtig. Es war wieder spannend, anstrengend und lehrreich, aber auch lustig und entspannt – einfach ein tolles Klima. Ich merke: Bei DaiSifu Schrön fühle ich mich auch in Prüfungssituationen vollkommen aufgehoben. „Was für ein Glück!“

 

Inzwischen bin ich über 1 Jahr und 6 Monate in der Schule von Sifu Holger Peter und ich bin eine andere Frau geworden!

Mit Sicherheit habe ich erst ein ganz klein wenig an der Oberfläche gekratzt, aber es ist irre, was sich in mir, mit mir und um mich herum getan hat.

 

Einen großen Anteil daran hat auch meine Sandra – wenn ich das einmal so sagen darf. Sie ist die ChiKung-Trainerin der Schule (und Ehefrau Sifu Holgers) und in ihrem Unterricht erlerne ich die essentiellen, sensorischen, mentalen und energetischen Empfindungen neu.

 

Aber zum Thema ChiKung erzähle ich euch nächsten Monat mehr. Versprochen!

(Anmerkung der Redaktion: Ihr werdet die Fortsetzung in der Rubrik ChiKung finden.)

 

Bis dahin

Sylvia Kirnich

3. Schülergrad WT

WingTsun-Schule Holger Peter in Erfurt

 

Übrigens: Dies ist mein erster Artikel überhaupt. Was ich schreibe, kommt aus mir selbst. Vielleicht wird er einem professionellen Auge nicht standhalten, aber das ist mir egal. Es ist die Wahrheit und nur die zählt ja bekanntlich.

 

Wer solche Situationen, wie im heutigen Artikel beschrieben, kennt weiß, dass es nichts Schlimmeres gibt als nicht oder nur wirkungslos handeln zu können. Danach macht man sich immer wieder Gedanken darüber, was man hätte besser machen können oder war man in dieser Situation und bis heute einfach nur zu schwach, um sich erfolgreich zu Wehr zu setzen? Es sind meistens sehr viele Grübeleien und eigene Vorwürfe, die man jeden Tag weiter mit sich herumschleppt und die einen nicht mehr loslassen, sodass man irgendwann einfach nicht mehr tief durchatmen kann ohne daran zu denken. Man wird ständig an diese eine hilflose Lage erinnert und kann sich nur noch sehr schwer auf die eigentlichen Aufgaben und den Alltag konzentrieren, da einem dieses Gefühl und die Ängste der Situation immer wieder überkommen. Man wird meistens schreckhafter, unsicherer und gedankenverlorener als sonst und man muss schon all seinen Mut zusammenfassen, um seine eigene Meinung zu äußern, da man immer darüber nachdenkt was die Anderen wohl über dich und deine Meinung denken. Das ist wie ein kleiner Teufelskreis und zieht einen immer tiefer, sodass man irgendwann nur noch für seine Ängste und schlimmsten Gedanken lebt und das eigentliche Leben nicht mehr genießen kann.

Aber das muss nicht nur nach einem körperlichen Angriff wie im Artikel sein, sondern kann auch schon mit einer Kleinigkeit, wie störenden Sprüchen oder Aussagen, zu nahe kommenden Personen oder zufälligen Berührungen, im Beruf oder im eigenen Umfeld anfangen. Schon jetzt im Ansatz einer solchen Situation sollte beziehungsweise muss man seine persönlichen Grenzen noch einmal deutlich zeigen und diese auch beibehalten und bewachen. Manchmal hilft es aber auch einfach mit der oder den Personen darüber zu reden und somit Missverständnisse aufzuheben.

Zum Schluss möchte ich allen, die sich in einer solchen Situation befinden noch sagen, dass es immer besser ist, wenn man sich schnell Hilfe holt und an sich selbst arbeitet, um nie wieder solche Gedanken und Erfahrungen zu sammeln, denn danach ist man wieder zufrieden mit sich selbst und kann das Leben wieder in vollen Zügen genießen.

 

„Benchmarking im WingTsun oder Der Blick über den Tellerrand“


Was mit der Überschrift des Artikels von der offiziellen Homepage der EWTO aus der Rubrik WingTsun genau gemeint ist, wird genauestens unten beschrieben und erläutert. Es handelt sich bei diesem Artikel um einen Auszug aus der Arbeit zur Erlangung des 4. TG von Sifu Robert Bauer.

Ich bin der Meinung, wie ihr ja schon in mehreren Beiträgen heraushören konntet, dass man durch Austauschen von Informationen untereinander seinen Horizont in der Kampfkunst erweitern kann und somit viel mehr über die Hintergründe, die Vor- und Nachteile und vor allem über die Kampfkünste an sich erfährt. Denn nur dann weiß man wo man selbst steht und hat die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Ohne Weiterentwicklung bleibt man auf der Stelle stehen, sieht nicht wie sich die Welt weiterdreht und bemerkt entweder gar nicht oder viel zu spät, dass sich alles verändert hat und man nicht mehr weiß, wo man genau hingehört. Man ist sozusagen schon Vergangenheit und kann nur mit viel Auswand und Umdenken seinerseits die Zeit wieder einholen und seinen Platz in der Welt wiederfinden. Aber nun zum Artikel:

 

Warum werden von namhaften Autoherstellern Tausende von Euro ausgegeben, um zu erforschen, wie ein Türschließmechanismus einer qualitativ weit preiswerteren Automarke funktioniert? Warum werden Autos über Zweit- und Drittfirmen gekauft und restlos zerlegt, um die Funktionsweise verschiedener, aber bereits erforschter, mechanischer Abläufe nachzuvollziehen?

 

Was wären die Gebrüder Wright ohne die Ideen eines Otto Lilienthals gewesen. Wären sie selbst auf diese Art der Fluggeräte gekommen? Wie weit wäre Lilienthal gekommen, ohne auf die Ergebnisse des Schweizer Physikers und Mathematikers Daniel Bernoulli (Bernoulli-Effekt) zurückgreifen zu können?

 

Welchen Stand hätte unsere heutige Technologie bzw. unsere komplette Wissenschaft, könnten wir nicht immer wieder auf Referenzpunkte zurückgreifen und auf diesen unsere Innovationen aufbauen?

Soll dies vielleicht nur einen Arbeitsablauf in der technischen Wirtschaft um den Streit der größten, modernsten technischen Errungenschaft darstellen oder lässt sich dies auch auf andere Bereiche umschreiben und einsetzen?

 

Definition Benchmarking

Der Begriff Benchmarking beschreibt den analytischen Vergleich bestimmter Referenzwerte. Eine Verhaltensweise, die auf bereits gesichertem Wissen aufbaut, um daraus zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Aber nicht nur der Vergleich, sondern auch die daraus gewonnene Erfahrung sollte uns beschäftigen.

 

Warum Benchmarking im WingTsun?

Immer mehr Lehrer im Bereich des WingTsun sind so sehr überzeugt von ihrem Stil, dass es für sie nicht mehr in Frage kommt, sich mit anderen Stilen zu beschäftigen bzw. sich damit auseinanderzusetzen. Somit kommen wir immer mehr zu einem Inzuchtverhalten, das nicht nur im technischen, sondern auch im strukturellen Bereich seine Schatten wirft.

Vergleiche waren schon immer eine Verhaltensweise, die unsere menschliche Rasse vor dem Aussterben bewahrte und unsere Evolution vorantrieb. Ein Abwägen verschiedener Eckpunkte und das analytische Ausarbeiten dieser Werte sind Punkte, die unsere Wissenschaft auf allen Gebieten nach oben katapultierte.

Können wir uns im WingTsun leisten, diese systematische Arbeitsweise zu ignorieren? Welche Erkenntnisse können wir mit dieser wissenschaftlichen Methode gewinnen?

Oder ist dies ein Verrat am eigenen Stil (oder System)?

Welche Rückschlüsse bzw. Vorteile können wir aus der analytischen Betrachtungsweise anderer Kampfkunststile/-systeme gewinnen?

 

Aber wie kann man diese Erkenntnisse im WingTsun nutzen, ohne den gleichen Weg einzuschlagen wie z.B. Schüler von Bruce Lee, die ihr „System“ durch Addieren von Fremdtechniken und -stilen verwässerten, statt die Erkenntnisse, die relevant für eine Weiterentwicklung waren, zu nutzen.

Deshalb stellt sich die Frage: Was kann man aus anderen Stilen/Kampfkünsten lernen, ohne unser WingTsun zu verwässern oder gar die Prinzipien zu verfälschen?

 

Verlassen der Komfortzone

Sich in völlig neue Bereiche zu begeben, um andere Einflüsse zuzulassen und die Welt wieder mit anderen Augen, aus der Sicht eines Laien, zu sehen, wird im Bereich des Coachings auch das Verlassen der Komfortzone genannt.

Gerade in der Komfortzone, in der man sich sicher fühlt und schon gut auskennt, sind die Lernerfolge am kleinsten. Erst das Verlassen der Komfortzone und der Aufbruch zu etwas Neuem hilft, größere Lernschritte zu erreichen. An den Grenzen der Komfortzone liegt die so genannte Lernzone. Hier ist es möglich, absolut neue Einblicke zu gewinnen und das Ganze noch einen großen Schritt weiterzubringen.

Was könnte das für unser WingTsun bringen? Wo liegen hier die Chancen, wenn man versucht, noch einmal aus den alten, ausgetretenen Wegen zu entfliehen und sich mit völlig neuen Ideen an eine Sache heranzuwagen?

 

Aber das Verlassen der Komfortzone erfordert den Mut, sich auf den Stand eines Anfängers zu stellen, neue Gebiete zu erforschen, in denen man wieder auf den Rat anderer Experten zurückgreifen muss. Viele Meister sind es müde, nochmals von vorn zu beginnen, sich wieder auf das Wissen eines Schülers degradieren (zumindest sehen das viele so) zu lassen und von – vermeintlich – vorn zu beginnen.

 

Vielen meiner Schüler imponierte es ganz am Anfang bei der theoretischen Einführung in der Vorstellungsrunde, wenn ich zu ihrer Kampfkunst, die sie bisher ausgeübt hatten, kurze prägnante Fragen stellte bzw. fachlich kompetente Anmerkungen machte, wie z.B.:

 

Taekwondo:    „Was seid Ihr gelaufen: Hyongs oder Poomse?“

Hyongs – das traditionelle System nach General Choi Hong-Hi

Poomse – das modernisierte System

Karate:            „Welcher Stil? Shotokan?“ Meistens Shotokan-Karate, nach Gichin Funakoshi oder

Etwas seltener Kyokushinkai, nach M. Oyama

Aikido:            „Übersetzt: „Ein Weg aus Geist und Harmonie“ von Morei Uyeshiba, beruht auf der

Ausnutzung der Zentripetal- und Zentrifugalkraft“

Judo:              „Ein Wettkampfsport, der von Prof. Jigoro Kano aus dem Ju-Jitsu entwickelt wurde,

nachdem er die gefährlichen Techniiken entfernt hatte.“

Fechten:         „Mehr Stoßfechten mit Florett oder Degen oder auch Hiebfechten mit dem Säbel?“

Choy-Lee-Fut: „Ein südchinesischer Stil, gewidmet Meister Choy, Meister Lee und Buddha

(Fut bedeutet Buddha). War früher sehr gefürchtet, da seine kreisförmigen

Bewegungen eine wahnsinnige Kraft entwickeln.“

Hung-Gar:      „Der Stil der Familie Hung, ein Fünf-Tiere-Stil. Er wurde eingesetzt, um die Krieger

Damals möglichst schnell kampfstark zu bekommen; oft nennt man ihn auch Hung-Kuen (die Faust der Familie Hung).“

usw.

 

Man benötigt hier nicht unbedingt die expliziten Fachkenntnisse eines absoluten Experten. Oftmals reichen schon unser Wissensschatz aus dem WingTsun und ein paar Grundkenntnisse aus unterschiedlichen Kampfkunstbereichen, um andere Kampfsportler und Neuinteressenten zu beeindrucken.

Seminare über verschiedene Kampfkünste würden den WingTsun-Schülern der EWTO einen gewissen Weitblick einräumen und sie als Experten im großen Pool der Kampfsport-/Kampfkunstlehrer – weltweit – platzieren.

 

„Kids-WingTsun – was bringt’s?“


Das WingTsun nicht nur Erwachsenen in einer realen Hilfesituation oder bei der Selbstverteidigung bzw. –behauptung helfen kann ist nichts Neues. Obwohl das heutige Kids-Programm noch gar nicht so alt ist; 2005 wurde es angesprochen und 2006 wurde nach Anweisung von Großmeister Kernspecht ein Kinderkonzept entwickelt; ist es heute fester Bestandteil in fast jeder EWTO-Schule. Die Kinderprogramme sind an Alltagssituationen von Kindern angepasst, sodass die Kinder mit Hilfe der Übungen gut vorbereitet sind, sodass sie selbstbewusster und sicherer durch Leben gehen und sie in Notfällen auch angemessen Handeln können. Aber zurück zum heutigen Artikel von der offiziellen Homepage der EWTO aus der Rubrik WingTsun und der Frage: Was bringt Kids-WingTsun eigentlich konkret?

Dass Bewegung die Kinder fördert und das gemeinsame Üben in der Gruppe mit den Kids-WingTsun-Spielen auch Spaß macht, ist klar.

Aber was bewirkt Kids-WingTsun im Einzelnen?

Nach einem Gespräch mit den Eltern eines unserer WingTsun-Kinder möchten wir einmal von einer Erfolgsgeschichte berichten.

 

Giuliana ist acht Jahre alt und begeisterte Kids-WingTsun-Schülerin. Regelmäßig einmal die Woche kommt sie in den Unterricht und verpasst nach Möglichkeit keine Einheit, so dass sie Ende 2009 erfolgreich die Prüfung zum 1. Kindergrad im Kids-WingTsun ablegen konnte und nunmehr stolz das entsprechende Abzeichen trägt.

Giuliana ist ein aufgewecktes, fröhliches Mädchen mit viel Selbstbewusstsein und eigener Meinung, ohne überdreht und frech zu sein – mit anderen Worten ein Bilderbuchengel!

 

Doch das war nicht immer so, weiß die Mutter von Giuliana zu berichten: „Sie hat sich in der Schule und bei den Freundinnen nie getraut zu sagen, was sie will oder nicht will, und hat oft zum ‚bösen Spiel’ gute Miene gemacht, obwohl sie innerlich eigentlich etwas ganz anderes wollte.“

Das hören wir leider immer wieder: Kinder können oft nicht Position beziehen und ihre guten Vorstellungen von Falsch und Richtig, die sie von zu Hause mitbekommen, in der Gruppe umsetzen. Sie werden zu Mitläufern und nehmen Verhaltensweisen an, die im besten Falle für ihre soziale Entwicklung nicht förderlich sind. Genauso gut könnten daraus auch Gewalt und Kriminalität entstehen. Das wünscht sich niemand.

„Giuliana hatte immer wieder Probleme mit anderen Kindern, die auch in handfesten Auseinandersetzungen endeten“, so die Mutter. „Diese Problematik schlug voll auf die schulischen Leistungen durch. Sie konnte sich nur schwer konzentrieren und war immer sehr unruhig. Das Ergebnis waren schlechte Noten. Als Giuliana eines Tages nach Hause kam und von einem Jungen berichtete, der sie auf einer Rutsche nicht durchlassen wollte, war für uns der Punkt erreicht, wo etwas passieren musste.“

Giulianas Vater kannte aus seinem beruflichen Umfeld WingTsun und wurde im Internet schnell fündig. „Was Ihr auf Eurer Website über den Ansatzpunkt von Kids-WingTsun schreibt, traf exakt auf unsere Tochter zu.“ Eine E-Mail an die WingTsun-Schule Nürnberg war schnell geschrieben und Giuliana zum ersten Probetraining angemeldet.

„Bereits nach dem ersten Training merkten wir Veränderungen bei unserem Kind und nach einigen Wochen schien sie wie ausgewechselt. Sie war viel ausgeglichener und fröhlicher und ging auf einmal gern in die Schule. Es gab keinen Ärger mehr mit Klassenkameraden und die Noten wurden deutlich besser. Giuliana ist jetzt viel aufgeschlossener und geht ohne Angst auf andere zu. Wahnsinn, wie das Kids-WingTsun wirkt. Die Kinder lernen nicht nur, sich zu verteidigen, sondern bekommen viel Selbstbewusstsein, das ihnen hilft den Alltag und die hohen Anforderungen heutzutage zu meistern. Dass fast nebenbei auch noch die Beweglichkeit und das Körpergefühl gefördert werden, ist umso besser.“

 

Heute sind Giulianas Probleme längst Geschichte und sie ist ein Mädchen, wie man es sich nicht besser wünschen kann. Es macht viel Freude, sie auf ihrem WingTsun-Weg zu begleiten und wir wünschen ihr dabei weiterhin viel Erfolg!

 

„Kampfkünstler mit Leib und Seele“


Sifu Josef Schoops oberstes Prinzip lautet: „Loyalität gegenüber seinen Lehrern und den Ehrenkodex der alten Kriegskünste bewahren.“

Diese Überschrift und Einleitung weckte mein Interesse beim durchstöbern neuer und alter Artikel auf der offiziellen Homepage der EWTO. Dieser Artikel wurde 2003 in der Rubrik WingTsun veröffentlicht und zeigt uns, wie genau Sifu Josef Schoops zum WingTsun gekommen ist, was er zuvor für Kampfsportarten betrieben hat, was seine Interessen sind und was er nach Beginn seines WingTsun-Daseins noch alles gemacht hat. Der heutige Beitrag ist einfach mal dazu da, um sich die Perspektive und Gedankengänge eines anderen WingTsun-Mitglieds anzuschauen und mit seinen eigenen Interessen zu vergleichen. Ich finde dadurch hat man die Möglichkeit sich weiterzubilden und seinen Horizont zu erweitern, um nicht zu engstirnig und kurzsichtig für unseren Alltag und unsere eigene Welt zu sein.

 

Begonnen hat für Josef Schoop alles ganz normal. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Lehre, und arbeitete danach als Programmierer für Fräs- und Drehmaschinen. Als Hobby betrieb Josef damals Fußball und spielte im Sportverein seines Heimatortes Asbach aktiv mit.

Irgendwann bekam er in dieser Zeit Kontakt zum Kampfsport und im Jahr 1980 begann Josef mit Hapkido. Diese Selbstverteidigungskunst beinhaltet weiche und harte Techniken, die zum größten Teil aus dem japanischen Aikijutsu stammen. In dieser Zeit trainierte Josef noch weitere Kampfsportarten wie Hosindo und Kickboxen.

1991 gründete er seine eigene Kampfsportschule in Asbach. Im Laufe der Zeit fanden sich dort bis zu 130 Kampfsportbegeisterte aller Alterklassen zu den jeweiligen Kursen ein.

Hapkido und Hosindo betreibt Josef seit dieser Zeit regelmäßig und im Jahre 2001 legte er die Prüfung für den 7. Dan in Hapkido und den 6. Dan in Hosindo ab. Über den langen Zeitraum bis zu dieser Graduierung entstand im Laufe der Jahre ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Lehrern Professor Soo Ung Choi (10. DAN Hapkido, 10.DAN Hosindo) und Professor Dr. Ki Chul Ham, Dekan der Academy of Social Athletics (Hanseo Universität). Die beiden unterrichteten Josef nicht nur in den Techniken der Kampfkunst, sondern auch in den Philosophien, die diese Kriegskünste beeinflussen. Sie lehrten ihn den Ehrenkodex dieser alten Traditionen, der Tugenden wie Mut, Loyalität, Ehre sowie Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit beinhaltet. Diese Werte versucht Josef täglich in sein Leben zu integrieren und sie auch an seine Schüler weiterzugeben.

Mit einem Trainingskollegen besuchte Josef irgendwann eine WingTsun-Demonstration und nahm danach in dieser Schule am Probetraining teil. Instinktiv erkannte Josef die hohe Effektivität des WingTsun und fing 1988 an zu trainieren. Obwohl sein Trainingspartner nach kurzer Zeit das Interesse verlor, blieb Josef dem WT-System treu und trainierte regelmäßig neben Hapkido auch WingTsun. Mit seinem Sihing Heiko Martin besuchte er die angebotenen Lehrgänge von Großmeister Keith Kernspecht und war fasziniert von dem logischen Konzept des WT. Nachdem er die Prüfung zum Ausbilder im WingTsun bestanden hatte, eröffnete Josef seine erste WT-Gruppe unter seinem Sihing.

Darauf folgten in verschiedenen anderen Orten seiner Heimatregion weitere WingTsun-Gruppen. Josef bildete sich in dieser Zeit regelmäßig auf Schloss Langenzell weiter und erreichte dadurch bald den Grad des ersten Technikers. Im Jahr 2000 wurde er dann mit dem Grad des zweiten Technikers zum Sifu ernannt. Aus den am Anfang hobbymäßig betriebenen Kampfsportschulen wurde mit der Zeit eine professionelle Ausbildungsstätte für verschiedene Kampfkünste. 1995 begann Josef mit Kum-Do, einer Schwertkampfkunst aus Korea. In der Praxis dieser Waffenkunst wird das bewusste Denken unterdrückt, wodurch die Aktionen instinktiv erfolgen sollen.

 

Zwischenzeitlich wurde auf Schloss Langenzell die Sicherheitsakademie gegründet. Diese bot Ausbildungen im Bereich Personenschutz an. Dort absolvierte Josef im Dezember 1994 den ersten Personenschutzlehrgang. Er erhielt hierdurch ein umfangreiches Know-how, so dass er parallel zu den Kampfsportschulen im Jahr 1995 den Schritt in die Selbstständigkeit mit einem Sicherheitsunternehmen wagte. Josef begann dann zunächst mit der Betreuung von Objekten in Industriegebieten. Außerdem arbeitete er bei feierlichen Anlässen oder in Discotheken als Türsteher.

Weiterführende Fortbildungsseminare an der Sicherheitsakademie Schloss Langenzell und die praktische Erfahrung vor Ort zahlten sich für Josef schon nach kurzer Zeit aus. In seiner Firma beschäftigt Josef heute zehn fest angestellte Mitarbeiter und übernimmt außer Objekt- und Personenschutzaufträge auch bewaffnete Werttransporte und Ermittlungen. Auch bei großen Rockveranstaltungen ist sein Sicherheitsunternehmen gefragt.

Durch Reisen in verschiedene Länder lernte Josef auch dort die Ausbildung der Sicherheitsunternehmen und Polizei kennen. Aufgrund dieser Kontakte bildet er z.B. in Bolivien die Spezialeinheit der Polizei Santa Cruz in WingTsun aus. Um den Anforderungen der von ihm betriebenen koreanischen Kampfkünste gerecht zu werden, fliegt Josef jedes Jahr mehrmals nach Korea und legt dort vor einem Gremium die Prüfungen für Hapkido ab. Hier wird er von den Meistern ihres Fachs weitergebildet und besonders sein Professor Dr. Ki Chul Ham von der Hanseo-Iniversität hat großen Anteil an der Fortentwicklung von Josef Schoop. Dieses Jahr übereichten Dr. Ki Chul Ham (10. Dan), der Dekan der Academy of Sozial Athletics Hanseo Universität aus Susan Korea und der Kampfkunstlehrer Soo Ung Choi aus Frankfurt (10. Dan Hapkido und Hosindo) Josef Schoop den 8. Dan in Hapkido. Mit dieser Graduierung wurde er gleichzeitig von seinen Meistern zum europäischen Repräsentanten ernannt.

Weiterhin bestätigte der koreanische Verband Josef als Hapkido-Chiefinstructor für Deutschland und berief ihn 2001 in Korea zum Gastprofessor für Sicherheit an die Hanseo Universität. Dort doziert Josef seit diesem Zeitpunkt in regelmäßigen Abständen im Fach Wissenschaft und Sicherheit.

Josef Schoop ist Kampfkünstler mit Leib und Seele. Mit viel Disziplin und Ausdauer ist es ihm gelungen, in verschiedenen Kampfkunstsystemen fortgeschrittene und höchste Graduierungen zu erreichen. Dabei ist ihm der charakterbildende Aspekt der Kampfkünste am wichtigsten. „Loyalität, Ehre, Mut, Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit sind wichtige Tugenden, die in der heutigen Gesellschaft immer weniger beachtet werden”, erklärt Josef. Vor allem gegen diese Tugendlosigkeit sollte ein Kampfkünstler seiner Meinung nach kämpfen – und stets bei sich selbst beginnen.